27. Februar 2019

HomeReden27. Februar 2019

Abgeordneter Konrad Antoni (SPÖ): Sehr geschätzter Herr Präsident! Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir haben ein Thema, das uns in den letzten Monaten vor allem in den ländlichen Regionen in Österreich, beginnend von der Landwirtschaft über die Tierschützer bis zu den Menschen draußen in den Regionen, sehr intensiv beschäftigt. Das Thema Wolf wurde heute mehrfach angesprochen. Es sind drei Petitionen dazu eingelangt und im Sammelbericht enthalten, auch eine aus meiner Heimatregion, dem Waldviertel. Ich kann Ihnen versichern, wir haben uns in den letzten Monaten sehr intensiv damit beschäftigt, wie die Lage einzuschätzen ist.

Eines vorweg in der sehr wichtigen und sensiblen Diskussion – das Hearing hat es auch zutage gebracht –: In den letzten 15 Jahren gab es europaweit keinen einzigen dokumentierten Fall, wo ein Mensch von einem Wolf angegriffen worden ist, und so soll es natürlich auch bleiben. Leider wird aber in der letzten Zeit sehr oft mit der Angst der Menschen dem Wolf gegenüber argumentiert. Diese Angstmache lehne ich absolut ab, weil sie uns wirklich keinen Schritt weiterbringt.

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Ich denke, um eine gesicherte Rückkehr des Wolfes zu ermöglichen, braucht es in Österreich ein gutes Wolfsmanagement, denn nur mit einem guten Wolfsmanagement kann ein reibungsloses Zusammenleben von Wolf und Mensch gesichert werden, und das soll ja wohl unsere oberste Prämisse sein. Viele Erfahrungen aus dem Ausland bestätigen diese Möglichkeiten.

Das heißt: Was wir brauchen, ist Aufklärungs-, Präventivarbeit. Was wir brauchen, sind Finanzierungsmodelle im Herdenschutz. Was wir brauchen, sind bessere Schadensabgeltungen. Und genau da ist die Politik gefordert. Was wir allerdings wirklich nicht brauchen, ist Angstmache, die noch dazu in den letzten Wochen und Monaten verstärkt über die Medien betrieben wird, so unter dem Motto: Der Wolf, die wilde Bestie.

Da möchte ich jetzt schon an die Kolleginnen und Kollegen von der ÖVP, auch an meine Kollegin Diesner-Wais aus dem Waldviertel, appellieren. Ich darf aus der Resolution, die in den Regionen des Waldviertels, in den Gemeinden eingebracht worden ist, zitieren; da heißt es: „Der Wolf ist ein Raubtier“, eine Gefahr für den Menschen, vor allem für Kinder, „sei es im Rahmen von Freizeitaktivitäten oder auf dem Weg zur Schule“. 30 Prozent der Menschen trauen sich nicht mehr spazieren zu gehen. Oder in der gegenständlichen Petition heißt es: „Wenn für Kinder der Weg zum Schulbus in abgelegenen ländlichen Regionen bedroht ist oder sich Kinder durch einen Wolf […] bedroht fühlen“, dann muss es sofort zu Maßnahmen kommen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen von der ÖVP, diese Angstmache hilft uns keinen Zentimeter weiter in der Thematik Wolf!

Und so darf ich zum Abschluss sagen: Ja, wir bekennen uns zu einem konfliktfreien Miteinander von Wolf und Mensch. Ja, wir bekennen uns zu einem guten Wolfsmanagement, aber nein, wir wollen keine Panikmache vor dem Wolf. – Danke sehr.